Wie gut sind Mineralstoffpillen?
Leiden wir z.B. an Eisenmangel?

Die Quelle ist Pollmer, U. u.a.: "Prost Mahlzeit - krank durch gesunde Ernährung" Kiepenheuer & Witsch, 1997. Die anderen Quellenangaben stammen lediglich aus dem Buch. Es sind dort oftmals noch mehr angegeben. 

Timna-Krater, Israel

Nach wie vor boomt der Markt unterschiedlichster Präparate (von Pille bis Keks oder "Weichgetränk"), die einzelne Substanzen oder Cocktails von Einzelsubstanzen enthalten (seien es Vitamine oder "Spurenelemente") mit deren Hilfe man vermeintliche Mangelerscheinungen beheben können soll.

Grundübel besteht dabei darin, daß sie ohne sachliche Diagnose einer Stoffwechselstörung eingesetzt werden und ein Nutzen meist nicht nachgewiesen ist, ein Schaden jedoch wahrscheinlich (z.B. Säuglingsskorbut bei hohem Vitamin-C-Konsum von Schwangeren [Cochran, W. A. "Canadian Med. Ass. Journal, 1965/93/S.893] oder Nervenschäden durch Vitamin B [Schaumburg, H. et al. "N. Engl. Journal of Medicin" 1983/309/S.445])

Ein Nebenübel besteht darin, daß viele dieser Präparate überteuert sind. Schade ums Geld.

Im Folgenden habe ich ein paar Zitate zusammengestellt, was bei Pollmer über Eisen"mangel"steht:

"Menschen mit erhöhtem Eisenspiegel leiden häufiger an Infektionen. Die meisten Krankheitserreger benötigen Eisen für ihr Wachstum." [Lauffer, R.B. "Iron Balance". New York, 1991] oder [Devlin, T. M. "Textbook of Biochemistry: With Clinical Correlations." New York, 1992]

"Die Eisenmenge im Körper wird in erster Linie durch die Eisenaufnahme im Darm reguliert. Ist genug Eisen vorhanden, senkt der Körper die Aufnahme, stellt er einen Mangel fest, steigert er sie. Der Erfolg tritt erst nach ein paar Tagen ein. Daher steigt bei überreichlichem Eisenangebot zunächst der Eisenpegel an, bis der Körper gegenreguliert. Diese Verzögerung ist die eigentlich kritische Phase bei Eisengabe. Und zu diesem Zeitpunkt werden auch die meisten Infektionsausbrüche registriert." [z.B. Kieffer, F. "Mitt. Gebiete lebensm. Hyg." 1993, 84, S. 48.]

"Ein Zuviel an freiem Eisen begünstigt die Entstehung von Oxycholesterin, einer wesentlichen Ursache des Herzinfarkts." [Schmid, A. et al. "Wiener Tierärztliche Monatsschrift" 1983, 70, S. 77]
"Es gibt Hinweise, daß eine hohe Eisenbelastung bei der Tumorentstehung mitwirkt." [Stevens, R.G. et al. "N. Engl. Journal of Medicin" 1988, 319, S.1047]

"Frauen haben kein Problem, durch ihre Monatsblutung Eisen loszuwerden. Männer haben für Eisen außer ständigem Schwitzen keinen aktiven Ausscheidungsmechanismus" [Devlin T.M. siehe oben]

"Auch heute noch gibt es in Deutschland Blutarmut und Eisenstoffwechselstörungen, die einer ärztlichen Behandlung bedürfen. Aber niedrige Eisenspiegel sollten nicht zur gedankenlosen Verabreichung von Eisenpräparaten verleiten, bevor nicht die Ursache abgeklärt ist."

Das letzte Statement ist sozusagen eine zusätzliche Bestätigung der Ärztin, wenn sie nach einiger Zeit erneut ein Blutbild machen will und bei der ersten Diagnose des Eisenmangels eine Infektion vermutet.

"Es ist doch komisch: Wir aßen noch nie so viele eisenreiche Speisen wie heute, und doch sollen immer mehr Menschen unterversorgt sein. Im Winter gibt es frische Blattgemüse, die reichlich Eisen enthalten. Und der wichtigste Eisenlieferant, Fleisch, kommt heute nicht zu knapp auf den Teller. Dieselben Institutionen (z.B. die Deutsche Gesellschaft für Ernährung "Ernährungsbericht 1992", Frankfurt 1992), die uns Eisenmangel einreden wollen, beklagen sogar, daß wir zu viel Fleisch äßen."

Mein Fazit zu Eisen:
Bei normaler Ernährung "weiß" der Körper selber was er tut, Homöostase funktioniert, sonst wären wir in der Evolution schon eher ausgeschieden.
Überschüssiges Eisen wird schlecht ausgeschieden, aber wenn mgl. erst gar nicht aufgenommen. Durch die Verzögerung erhöht man durch Eisenpräparate sein Krankheitsrisiko.
Stoffwechselstörungen müssen ordnungsgemäß diagnostiziert und dann auch behandelt werden.
Normalerweise funktioniert die Homöostase.

zu Mineralstoffen allgemein:
Zitat von S. 71
"Meiden Sie Mineralien in Pillenform. Die hochdosierte Zufuhr einzelner Stoffe, könnte die Aufnahme anderer Mineralien blockieren, die ebenso wichtig für Ihre Gesundheit sind. Sie erreichen womöglich nur, daß Ihr Mineralstoffhaushalt ins Ungleichgewicht kommt bis hin zu Mangelerscheinungen." [Hapke, H.J. in Wolfram, G., Kirchgeßner, M. "Spurenelement und Ernährung, Stuttgart, 1990, S. 197] und [van Beresteijn, E. in: Schlemmer, U. "Bioavailability '93" Karlsruhe, 1993, 2, S.1]

letzte Änderung: 11.Mai 2001