Umweltfreundliches Auto durch Katalysator?

"Der Bundesregierung liegen keine ausreichenden Informationen über ökologische Schäden des Kraftfahrzeugverkehrs vor." - Antwort der Bundesregierung auf eine Parlamentarische Anfrage der Grünen nach den gesellschaftlichen Kosten des Autoverkehrs, November 1984.

Die Umweltbelastungen des Verkehrs wurden bislang häufig nur isoliert gesehen und diskutiert: Hier wehrt sich eine Bürgerinitiative gegen den Neubau einer Schnellstraße, dort tritt eine Stadtteilgruppe für die Verkehrsberuhigung ein und an anderem Ort wird gegen das Waldsterben gekämpft.

Die Verkehrspolitiker ihrerseits versuchen glauben zu machen, daß das Umweltproblem mit der Einführung eines geregelten Katalysators zu lösen sei. Doch die ökologischen und sozialen Belastungen des Autoverkehrs sind sehr vielfältiger Art und können nicht durch eine isolierte Maßnahme, die zudem nicht bei der Ursache, sondern lediglich bei der Zurückhaltung von einem Teil der Emissionen ansetzt, gelöst werden.

So wird auch bei einer vollständigen Einführung des Katalysators für alle Fahrzeuggrößenklassen die klimaverändernde Wirkung des Verkehrs nicht beeinflußt. Auch der immense Flächenbedarf des Individualverkehrs stellt ein ungelöstes Problem dar: Lebensräume von Tieren und Menschen werden zerschnitten, und die Massen von stehendem Blech zerstören die Qualität gewachsener Städte und Wohngebiete.

Nicht nur die Benutzung eines Autos, auch die Produktion des Fahrzeugs ist mit hohen Ressourcenbelastungen und Emissionen verbunden, die etwa 25% der gesamten Luftbelastung durch den Betrieb des Fahrzeugs über die Lebensdauer des Autos hinweg betragen. Rund 3 Millionen Autos werden jedes Jahr in der Bundesrepublik zugelassen. In jedem Auto sind durchschnittlich eine Tonne Stahl, Kunststoffe, Gummi, Glas, Leichtmetalle und Legierungen verarbeitet. Die Gewinnung, Verarbeitung und "Entsorgung" dieser Materialien ist mit erheblichen Umweltbelastungen für Luft, Wasser und auch den Boden verbunden. ,,Allmählich erst erschließt sich Politikern und Umweltschützern, daß jedes Auto, genaugenommen ein Stück Sondermüll auf Rädern ist.« Rund 25 Gewichtsprozent der jährlich 1,8 Millionen Schrottfahrzeuge sind nicht wiederverwertbar und müssen in Zukunft vermutlich als Sondermüll deponiert werden.

aus: D. Seifried, "Gute Argumente: Verkehr". Verlag C. H. Beck, München, 1990; S. 44-45.
 

Wo wirkt der Katalysator?

Fazit: Zwar ist es wünschenswert, daß Fahrzeuge möglichst wenig Sprit verbrauchen und wenig Gift ausstoßen, um aber seine negativen Wirkungen auf den Menschen in den Griff zu bekommen, muß ein ganz anderes Konzept her, da rettet uns auch kein Null-Emissions-Auto.